Grundprinzipien der Integrierten Gesamtschule

  • In der Integrierten Gesamtschule sind die Bildungsgänge der Schularten des gegliederten Schulsystems in einer Schule vereinigt. In einer Integrierten Gesamtschule (IGS) werden die Kinder im 5. und 6. Schuljahr unabhängig von ihren Leistungsmöglichkeiten und besonderen Interessen in fast allen Fächern gemeinsam unterrichtet. Unabhängig von der äußeren Differenzierung ab Jahrgang 7 bleibt der Klassenverband bis zur Klasse 10 bestehen. Es gibt bis Klasse 9 kein „Sitzenbleiben“, dadurch bleibt die Entscheidung über einen angestrebten Schulabschluss lange offen. Grundsätzlich können alle allgemeinbildenden Schulabschlüsse (Berufsreife nach Jg. 9, qualifizierter Sekundarabschluss I nach Jg. 10, schulischer Teil der Fachhochschulreife nach Jg. 12, allgemeine Hochschulreife nach Jg. 13) erworben werden.

 

  • Jede Schülerin und jeder Schüler erhält die Chance, den Schulabschluss zu erreichen, der ihrer/seiner Begabung, Leistungsfähigkeit und Leistungswillen entspricht. Grundgedanke und Aufgabe der IGS ist es, Schülerinnen und Schüler mit den unterschiedlichsten Voraussetzungen, Begabungen, Fähigkeiten und Möglichkeiten zu fördern. Das bedeutet für jedes Kind, dass es, aufbauend auf seinen individuellen Grundfähigkeiten, seine eigenen Leistungsmöglichkeiten weiterentwickelt. Dies gilt für leistungsstärkere wie auch für leistungsschwächere Kinder. Ab der 8. Klasse erhalten die Schülerinnen und Schüler mit dem Zeugnis eine Prognose, welcher Abschluss mit ihren bisher gezeigten Leistungen erreicht werden kann.

 

  • Individuelles und soziales Lernen gleichwertig nebeneinander anzuregen, zu fördern und zu fordern, gehört zu den besonderen Aufgaben der Integrierten Gesamtschule. Neben dem Erwerb von Fachwissen und Methodenwissen sollen die Schülerinnen und Schüler in der Integrierten Gesamtschule lernen, miteinander zu arbeiten und Konflikte angemessen auszutragen. Dabei helfen Tutoren- und Klassenratsstunden sowie die Arbeit in Tischgruppen. Die Entwicklung der Methodenkompetenzen und sozialen Fähigkeiten wird in den verbalen Beurteilungen beschrieben, die halbjährlich in den Klassen 5 bis 8 mit den Zeugnissen ausgegeben werden.

 

  • Fächerübergreifend sich die Welt erarbeiten. Die IGS teilt zwar die inhaltlichen Vorgaben mit den anderen Schularten des allgemeinbildenden Schulsystems, dies wird jedoch teilweise in anderen Fächern erreicht. Besonders charakteristisch ist hierbei das Fach Gesellschaftslehre, das in den Jahrgangsstufen 5-10 die drei gemeinschaftskundlichen Fächer Erdkunde, Geschichte und Sozialkunde ersetzt und die Themen jeweils aus dem Blickwinkel aller drei Disziplinen beleuchtet.

Pädagogisches Konzept der IGS Mainz-Bretzenheim

Die IGS Mainz-Bretzenheim ist eine Teamschule. Ihre bauliche Gestaltung ist auf das pädagogische Konzept abgestimmt. Die Klassen eines Jahrgangs bilden mit ihren Tutorinnen und Tutoren ein Jahrgangsteam. Jeweils zwei Lehrerinnen bzw. Lehrer leiten als Tutoren eine Klasse. Die 6 Klassenräume eines Jahrganges, die dazugehörigen zwei Differenzierungsräume und die beiden Teamräume der Tutoren liegen auf einem Stockwerk des Klassentraktes und bilden so eine "Schule in der Schule". Ein- bis zweimal pro Monat treffen sich die Lehrkräfte jedes Teams zur Teamsitzung, in der sie sich über pädagogische und organisatorische Angelegenheiten abstimmen. Die Vertreter der jeweiligen Jahrgänge und die Schulleitung treffen sich einmal pro Woche zum jahrgangsübergreifenden Austausch in der sogenannten Jahrgangssprecherkonferenz (JSK).

Innerhalb der Klassenräume hat jeder Schüler bzw. jede Schülerin sein bzw. ihr Fach und jede Tischgruppe ihre Ablage, in der die für die Gruppenarbeit erforderlichen Bücher und Materialien untergebracht werden können. Eine Tischgruppe (4 bis 6 Schülerinnen bzw. Schüler) bildet die kleinste pädagogische, soziale und organisatorische Einheit unserer Gesamtschule. Vor allem hier vollzieht sich soziales und individuelles Lernen. Innerhalb der Tischgruppe lernen Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlicher Lernvoraussetzungen und Interessen, miteinander tolerant und fair umzugehen und sich beim Lernen gegenseitig zu unterstützen. Damit dies gelingt, findet im ersten Halbjahr in Jahrgang 5 ein gezieltes Tischgruppentraining statt.

Die Lehrerteams der IGS Mainz-Bretzenheim setzen sich aus Lehrerinnen und Lehrern der drei Lehrämter für Hauptschule, Realschule und Gymnasium zusammen. Sie haben sich für den Unterricht an unserer Schule entschieden und werden jeweils in Einführungsveranstaltungen auf ihre Arbeit an der Integrierten Gesamtschule Mainz-Bretzenheim vorbereitet. Unterstützt werden Sie von Förderlehrkräften, die sich insbesondere um Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischen Förderbedarf kümmern, sowie von Integrationshelfern/-innen, die einzelne Kinder bei der Bewältigung des Schulalltags begleiten. Im Bereich der Ganztagsschule unterstützen uns zahlreiche außerschulische Lehrkräfte, sogenannte Teamer, um das breite Angebot an Arbeitsgemeinschaften zu ermöglichen.

Eine heterogene Schülerschaft erfordert Unterrichtskonzepte, die den unterschiedlichen Voraussetzungen und Leistungsfähigkeiten Rechnung tragen. Unsere Schüler sollen „Individuell Gemeinsam Lernen“ (IGeL), d.h. an denselben Inhalten arbeiten, denen sie sich jedoch auf unterschiedlichem Weg oder mit verschiedenen Sozialformen nähern und dabei auch zu unterschiedlichen, aber gleichwertigen Ergebnissen kommen können. Die Fachschaften entwickeln sogenannte „IGeL-Einheiten“, die innerhalb des Kurses oder Klassenverbands differenziertes Lernen zulassen und Rückmeldung zum eigenen Lernstand und individuellen Stärken ermöglichen.

Zum pädagogischen Konzept der IGS Mainz- Bretzenheim gehören auch:

  • Die musische Förderung durch die Einrichtung von Bigband-Klassen in den Jahrgängen 5 und 6

  • Förderung der sportlichen Talente und Interessen in den Sportklassen mit zusätzlichem Sportunterricht

  • Förderung des Interesses an Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) über Unterrichtsprojekte und entsprechende Angebote im Rahmen der Wahlpflichtfächer und AGs sowie Kooperationen mit außerschulischen Partnern.

  • Einführung in den Umgang mit dem Computer als Vorbereitung auf die Anforderungen und Möglichkeiten der Mediengesellschaft zunächst im Fach COM. Hier erlernen alle Schülerinnen und Schüler die grundlegende Bedienung des Computers, den Umgang mit einem Textverarbeitungsprogramm sowie Fertigkeiten im Bereich der Internetrecherche.

  • Das Fach ENFO (Entdecken und Forschen) im naturwissenschaftlichen oder philosophischen Bereich) in der Orientierungsstufe als eigene Förderung schnell lernender Schülerinnen und Schüler.

  • Der Unterricht im halben Klassenverband in einigen Fächern, in dem gezielt Arbeitsmethoden der jeweiligen Fachgebiete erarbeitet und vertieft werden können

  • Der Projektunterricht in der Orientierungsstufe mit zwei Unterrichtsstunden in der Woche: Hier werden fachübergreifend Themen von Schülergruppen selbstständig erarbeitet. Die Schülerinnen und Schüler lernen neben eigenständigem Erarbeiten auch Moderations- und Präsentationstechniken.

  • Über 200 Arbeitsgemeinschaften, vor allem im Ganztagsbereich, die Interessen fördern, die weit über das unterrichtliche Lernangebot hinausgehen.

Differenzierung an der IGS Mainz-Bretzenheim

In den Jahrgängen 5 und 6 – der Orientierungsstufe – liegt der Schwerpunkt auf einem möglichst engen Bezug in der Klassengemeinschaft und zu den Tutorinnen und Tutoren. Alle Schülerinnen und Schüler werden gemeinsam unterrichtet, d. h. eine Differenzierung nach Fachleistungskursen (äußere Differenzierung) findet in der Orientierungsstufe noch nicht statt. Die Unterrichtsfächer in der Orientierungsstufe sind: Deutsch, Englisch, Mathematik, Gesellschaftslehre, Naturwissenschaften, Musik, Bildende Kunst, Sport, Religion/Ethik. Dieser Fächerkanon wird an der IGS ergänzt durch die Tutorenstunde, den Projektunterricht und den Computerunterricht.

Die unterschiedlichen individuellen Begabungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten der Kinder einer Klasse werden durch Maßnahmen der inneren Differenzierung und teilweisem Unterricht in halben Klassen gefördert. Das Fach ENFO (Entdecken und Forschen) und Individuelles Gemeinsames Lernen (IGeL) sollen die Kinder zu eigenverantwortlichem Lernen führen. 

Ab Klasse 6 findet eine Differenzierung für alle nach Neigung statt. Der Unterricht wird ergänzt durch ein neu hinzukommendes Hauptfach. Dieses Wahlpflichtfach kann in der Regel aus dem folgenden Angebot an Fächern gewählt werden:

  • Französisch
  • Latein
  • Sport
  • Darstellendes Spiel
  • Musik
  • Bildende Kunst
  • Arbeitslehre-Sozialwesen
  • Arbeitslehre-Technik
  • Ökologie
  • Physik-Technik
  • Mathematik-Informatik

Das Wahlverhalten der Schülerinnen und Schüler eines Jahrgangs bestimmt, welche dieser Wahlpflichtfächer eingerichtet werden.

Mit Beginn des 7. Schuljahres setzt eine äußere Differenzierung ein. Dies bedeutet, dass die Kinder in bestimmten Fächern je nach ihrem Lern- und Leistungsvermögen in Kursen auf unterschiedlichem Niveau unterrichtet werden. Der Klassenverband bleibt in den nicht differenzierten Fächern erhalten.

Die Leistungsebenen werden an der IGS Mainz-Bretzenheim folgendermaßen benannt:

G - Kurs (Grundkurs):          
Der Grundkurs vermittelt das Fundament des entsprechenden Faches. 

E1 - Kurs (Erweiterungskurs 1):
Der Erweiterungskurs 1 vermittelt zum Fundament ergänzende Teilgebiete und vertiefende Arbeitstechniken.

E-2 Kurs (Erweiterungskurs 2):  
Der Erweiterungskurs 2 richtet Inhalt, Stoffumfang und Abstraktionsniveau zunehmend auf die gymnasiale Oberstufe (MSS) aus.

Die äußere Differenzierung setzt in den einzelnen Fächern wie folgt ein:

ab Klasse 7: 

Mathematik: auf drei Leistungsebenen (G/E1/E2)
Englisch: auf drei Leistungsebenen (G/E1/E2)
Deutsch: auf drei Leistungsebenen (G/E1/E2)

ab Klasse 8: 

Französisch: (wenn möglich) auf zwei Leistungsebenen (E1/E2)

ab Klasse 9:

Physik auf drei Leistungsebenen (G/E1/E2)
Chemie auf drei Leistungsebenen (G/E1/E2)
Biologie auf drei Leistungsebenen (G/E1/E2)

in Klasse 10:

alle differenzierten Fächer auf zwei Leistungsebenen (E1/E2)

Außerdem wird das Unterrichtsangebot ab Klasse 9 durch ein freiwilliges Wahlfach, z. B. durch eine weitere Fremdsprache ergänzt.
 

Die gymnasiale Oberstufe an der IGS Mainz-Bretzenheim

Die Oberstufe der IGS Mainz-Bretzenheim wird, wie jede gymnasiale Oberstufe in Rheinland-Pfalz, nach den Bestimmungen der Mainzer Studienstufe (MSS) geführt.

Ein besonderes Profil bietet die Oberstufe der IGS Mainz-Bretzenheim mit den Leistungsfachangeboten in den Bereichen Sport, Musik, Bildende Kunst, Physik, Chemie und den Grundkursangeboten Darstellendes Spiel und Philosophie sowie mit den im Jahrgang 11 neu einsetzenden zweiten Fremdsprachen Latein und Französisch.

Eine Fortführung des Teamgedankens der Sekundarstufe I findet sich in der Oberstufe in den Jahrgangsteams der Tutoren, welche die Stammkurse betreuen, sowie im Fach KuK („Kurs und Kompetenz“). In diesem Unterricht werden verstärkt Projektgedanken weiterentwickelt, Methodentraining vertieft, kompetente Beratung einschließlich Berufs- und Studienorientierung durchgeführt und soziale Integration geleistet. Die Schülerinnen und Schüler haben im Laufe der Oberstufe ein Portfolio zu erwerben, das ihre Methodenkompetenz ausweist.